| Dil | : | Türkçe+Almanca |
| Sayfa Sayısı | : | 192 |
| Ölçü | : | 17 x 24 cm |
Im Allgemeinen ist es nicht Brauch, Jubitien von Dezennien abhängig zu machen. Feiern dieser Art verbinden sich meistens mit den durch 25 teilbaren Zahlen. Es muss also ein besonderer Anlass vorliegen, wenn man von diesem so fest eingebürgerten Brauch abgeht.
Das İst in der Tat in mehrfacher Hinsicht der Fall. Die Deutsche Schule in Istanbul steht im Jahre ihres neunzigjährigen Bestehens an einem bedeutsamen Wendepunkt ihrer Geschichte. Äußerlich mag das darin sichtbar werden, daB ihr bisheriges Gebäude den von Jahr zu Jahr gewachsenen schulischen Bedürfnissen nicht mehr genügt. Ein großzügiger Um- und Ausbau soll den so dringend benötigten Sehul- und Verwaltungsraum noch in diesem Schuljahre schaffen. Gleichzeitig aber wird dieser Umbau auch das Gesicht des Gebäudes so erheblich verändern, das vielleicht mancher ehemalige Schüler seine alte Schule kaum noch wiedererkennt.
Dieses rein zufällige Zusammenfallen von neunzigjährigem Bestehen und Gestalt veränderndem Ausbau des Schulgebäudes hat m. E. symbolischen Charakter. Es macht die Strukturveränderung sichtbar, die sich vor all em nach dem 2. Weltkrieg innerhalb der Deutschen Schule vollzogen hat. Während sich in den ersten 80 Jahren die Schülerschaft zu einem groBen Teil aus nicht türkischen Staatsangehörigen bzw. türkischen Minderheiten zusammensetzte, besteht heute die Schülerschaft aus mindestens 80 Prozent Nationaltürken. Allein diese Zahl ist AnlaB genug, Sinn und Zie! der Deutschen Schule in Istanbul im Jahre ihres neunzigjährigen Bestehens neu zu überdenken.
Weil es aber dem geistigen Menschen widerstrebt, sich in seinem Denken und Handeln allein von dem Geweht der groBen Zahl bestimmen zu lassen, ist er geneigt, nach anderen Gründen für die Notwendigkeit einer neuen Sinn- und Zielsetzung zu fragen. Nirgendwo bieten diese sich leichter an als in der durch die staatsmännische Genialität Atatürks erneuerten Türkei, der es heute durch kluge Fortführung des von ihm eingeleiteten Reformwerkes gelungen ist, nicht nur auBerlieh, sondern auch innerlieh wirklich ein Teil Europas zu werden..